Curus Blog
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Über Medien und die SPD

Schaut man aktuell in Blogs oder redet man mit den Leuten persönlich, haben alle den Eindruck, dass „Qualitätsjournalismus“ nur eine Erfindung ist, die in der Realität unter Garantie nicht stattfindet. Keiner nimmt die Berichterstattungen ernst, zumindest nicht bevor man sie kritisch geprüft hat. Journalisten gelten nur noch als überheblich, weil sie ja eigentlich nichts zu sagen hätten, genau das aber glauben.
Die „Vierte Macht“ ist keine Macht mehr, denn grundsätzlich verschlafen die Damen und Herren das Aufdecken kleinerer und größerer Skandale und verstehen in Debatten (wie z.B. rund um Zensursula) selten mehr, als die internetausdruckenden Politiker selbst, sodass sie im Zweifelsfall jeden Wahnsinn nachplappern. Besonders, wenn er aus dem konservativen Lager stammt.

Aber dann stellt sich Ute Vogt (SPD) hin und sagt zu den Websperren:

Ich bin froh, dass wir in der SPD eine junge Gruppe haben, die sich mit dem Internet beschäftigt. Und die warnen, dieses Gesetz würde nur einen Schritt hin zur Zensur im Netz bedeuten. Gut, dass es nun auf Eis liegt und wohl nicht mehr in Kraft treten kann. [Die Bundestagsfraktion hat trotzdem zugestimmt, denn] viele hatten sicher einfach Angst vor der Schlagzeile: “SPD will nichts gegen Kinderpornografie tun.”

Hoppala. Das schlechte Image der Medien ist irgendwie noch nicht bis in die Politik vorgedrungen. Und die Angst vor dem Springer-Verlag ist wohl auch noch nicht abgebaut. Zumindest nicht bei der SPD.
Oder man möchte lieber einen halbwegs guten Ruf bei den Bild-Lesern bewahren, anstatt mal zu sowas wie „Idealen“ zu stehen und bei reflektierenden Menschen gut anzukommen, die sich nicht von den Schlagzeilen der Kollegen blenden lassen.
Derzeit verkackt die SPD sehr erfolgreich bei beiden Gruppierungen.

Gut, an Ullalah Schmidt sieht man ja, dass die Angst vor der Medienmacht gar nicht mal so unberechtigt ist. Das Ausschlachten dieser Dienstwagen-„Affäre“ (alleine das Wort!) passt einfach in das derzeitige Bild des journalistischen Umgangs mit linken bzw. linkeren Politikern. Davon kann ja auch Lafontaine ein Lied singen. Und auch weitere Fälle wurden ganz intensiv auf den Nachdenkseiten beleuchtet.

Konservative Politiker haben das derzeit scheinbar nicht zu fürchten (Oettinger mal ausgenommen), sonst hätte man bei Zensursula mal auf einen Einblick in ihr Fahrtenbuch gepocht.

Ich will anhand dieser Sache nicht das große zusammenhängende Bild einer Medienverschwörung entwickeln, das wäre auch viel zu weit hergeholt. Die Verlagshäuser sind nicht gleichgeschaltet, übermäßig politisch und parteiisch, nein, die schreiben einfach voneinander ab.
Wie war das nämlich? Keine VT entwickeln, solange Dummheit als Begründung reicht.

Aber es wundert mich schon sehr, dass die SPD wirklich derart verunsichert ist – und die Linke auch nicht ansatzweise dem Kreuzfeuer zu entfliehen versucht. Mit diesem defensiven Geplänkel wird der Kampagnenjournalismus jedenfalls nicht entschärft.

Und wenn das einzige, was einem als Abgrenzung zur Union einfällt, ein Online-Gremium ist, in das man einen bekannten Blogger setzt, dann kann das eben auch nach hinten losgehen. Der „rote Iro“ ist jetzt jedenfalls in der Bloggerszene verhasst. Und außerhalb der Bloggerszene sowieso unbekannt. Tolle Promo in Sachen Internetkompetenz.
Soll das jetzt etwa Herr Heil richten?

Und was unternimmt die SPD sonst? Gar nichts. Das Inkompetenzteam ist ja bekanntlich keine Überraschung und ansonsten basht man weiterhin die Linke, die pöhsen, pöhsen Kommunisten, anstatt mal gegen die von sich aus gesehen rechten Parteien vorzugehen.

Im Sterben ruft man der SPD auch noch „Verräterpartei“ hinterher.
Irgendwie sind sie selbst schuld. Irgendwie haben sie es verdient.
Aber da sie eigentlich ein Motor für eine Gegenöffentlichkeit sein müssten, kann man sich darüber einfach nicht freuen.

2 Antworten to “Über Medien und die SPD”

  1. Es wundert mich auch sehr, dass die SPD, die selbst vor Jahren eine wirkliche Medienmacht war, heute in der Presse keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt.

  2. […] Anlehnung an meinen gestrigen Eintrag kann ich sowieso nicht verstehen, warum sich die SPD von diesem Dienstwagenquatsch derart geißeln […]


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