Curus Blog
Meine Plattform zur Partizipation in der digitalen Unrelevanz

Meine Nichtempfehlung

Ich finde Empfehlungen nur dann angebracht, wenn ich die Lage überblicke und subjektiv (mit gewissem Objektivitätsanspruch) das Richtige gefunden zu haben scheine. Denn dann kann ich das guten Gewissens weiterempfehlen. Ob es um einen Staubsauger, ein Anti-Virenprogramm oder eine Partei zur Bundestagswahl geht, spielt dabei keine Rolle.

Zu dieser Wahl, um die es ja heute gehen wird, kann ich keine Empfehlung geben. Ich habe in diesem Jahr nicht das Gefühl, einen Überblick zu haben und das, was ich über die einzelnen Parteien weiß, würde mich höchstens zur ungültigen Wahl motivieren.

Davon halten mich jetzt allerdings doch die Piraten ab.

Nicht aus Überzeugung, ich bin kein Mitglied, ich schimpfe mich nicht „Piratenblogger“, ich verziere mein Blog nicht mit Wahlplakaten und ich bin von der Art und Weise, wie sie mir im Internet begegnen, genervt, sogar angeekelt. Wie auf besorgte und berechtigte Kritik beispielsweise seitens F!XMBR oder Spiegelfechter reagiert wird, ist abstoßend und mir bleibt einzig die Hoffnung, dass die dortigen Piratenkommentare von der Sorte Mitglieder der Partei stammen, die auch sonst als großmäulige Querulanten durch die Foren ziehen.

Immerhin, das hat ja auch etwas Gutes, kann ich mein Problem mit den Piraten auf diesen einen Punkt beschränken, denn:

Tauss, Thiesen – spielt doch alles keine große Rolle.

Single issue – immerhin ein wichtiges „single issue“. Und was bringt mir bei anderen Parteien das Vorhandensein eines Wirtschaftskonzepts, wenn es Bullshit ist? Dann lieber keines. Im Zweifelsfall kann ich gerade bei den Piraten davon ausgehen, dass sinnvolle Lösungen in allen Bereichen gesucht werden.

Stimme im Gulli – das sagt vielleicht Guido, whatever.

Junge Freiheit – das Problem damit ist nicht das Interview, sondern der Umgang der Piraten mit der Situation, eben besagte Kritikunfähigkeit.

Da bin ich also beim Ausgangspunkt angelangt: Das ist das Unangenehme an den Piraten, die Art. Und es ist nicht so unwichtig, wie es klingen mag, den Umgang mit Kritik könnte man schließlich lernen. Wie andere bereits bemerkt haben, scheint da aber zum Teil ein völlig falsches Verständnis von politischer bzw. demokratischer Kultur zu Grunde zu liegen. Und, ich kann mir nicht helfen, es erinnert immer ein bisschen an „The Wave“, wenn die Piraten in der Blogosphäre alles flamen, was nicht „Klarmachen zum Ändern!“ durch die Gegend brüllt. Diese Parole ist scheinbar die neue Version des Wellen-Grußes aus dem Roman.

Ich gehe nicht davon aus, dass es die Piraten in den Bundestag schaffen und damit habe ich auch kein Problem. Mit deren Wahl ärgere ich immerhin die anderen Parteien auf Kosten der Tatsache, dass ich die Sitzverteilung nicht beeinflusse – das kann ich aber verkraften. So gesehen ist es eine reine Protestwahl, was ich bisher immer ziemlich ärmlich fand, diesmal nicht. Solange ich damit eine wichtige Bewegung unterstütze, fühlt es sich besser an, als sich für eine andere Partei fremdzuschämen, die mit meiner Stimme im Rücken versagt.

Denn ich bin mir sicher, zumindest hoffe ich, dass sich die Piraten politisch klarer positionieren und nicht nach rechts abdriften werden. Das würde sonst sowieso den Fortbestand der Partei zerstören und das basisdemokratische Prinzip, die liquid democracy, ad absurdum führen.

Sollte es doch so kommen: Who cares? Außerhalb des Bundestages richten sie damit keinen Schaden an und sollten sie doch rein kommen, werden sie mit knapp über 5% sicher wenig ausrichten können – und werden danach wieder rausgewählt. Dafür haben wir ja diese lustigen Legislaturperioden.
Sie haben es jetzt selbst in der Hand, ob sie zu einem parlamentarischen Arm der Netizens werden, oder ob sie nur ein kurzes Strohfeuer in den medialen Debatten abgegeben haben.

Ein großer Fehler war es wohl, das ursprüngliche Ziel von einem Prozent im gefühlten Höhenflug auf 5% hochzusetzen. Sich an diesem Ziel ernsthaft messen zu lassen, wird mit Enttäuschung enden.

Ich werde, sollte ich die Piraten gnadenlos unterschätzen, übrigens im Nachhinein gerne für meine negativen Prognosen verlacht, damit habe ich kein Problem. Denn letzten Endes, solange sie nicht so auftreten, wie sie es innerhalb der letzten Wochen im Netz taten, wäre mir das ja nur Recht.

Eine Antwort to “Meine Nichtempfehlung”

  1. Ich glaube zwar eher gar nicht an die Piraten, kann deinen Ausführungen aber viel abgewinnen. Richtig jedenfalls, dass du dich nicht von der 5%-Hürde schrecken lässt. Taktisches Wählen ist eh lächerlich.


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