Curus Blog
Meine Plattform zur Partizipation in der digitalen Unrelevanz

Parallelität

Die Medien haben noch immer nicht realisiert in welcher (Glaubwürdigkeits-)Krise sie eigentlich stecken. Der jüngste Abmahnungsfail Abmahnungsfall mit Frau Schweitzer in der Hauptrolle, deckt eine der größten Schwächen des Journalismus auf: die Überheblichkeit.

Es geht mir in diesem Fall gar nicht um die Abmahnpraxis, die kleinere Blogs wie nomnomnom.de als Kollateralschaden hinnimmt (darüber wurde andernorts schon genug geschrieben und das aus meiner Sicht Klügste kam von Malte). Nein, viel interessanter ist doch der Habitus, der dahinter steckt.
Eva Schweitzer ist das Paradebeispiel des Journalisten, der dem längst obsoleten Weltbild, in dem er sich als großer Erkenner und Erklärer der Zusammenhänge ansieht, die er dann dem einfachen Volk präsentiert, weiterhin anhängt. Aus jedem ihrer Sätze trieft die arrogante Abgrenzung zu Bloggern und was sich sonst noch in diesem „Internet“ herumtreibt.
Mag der Schreiberling früher noch intelektuell privilegiert gewesen sein oder mögen ihm zumindest als einzigem die nötigen Ressourcen für eine umfassende Recherche zur Verfügung gestanden haben, so kann man sich zu Zeiten des Internets definitiv von dieser Vorstellung verabschieden. Menschen wie Schweitzer sind in diesem Kontext konservative Schreihälse, die an ihrem bequemen Anachronismus festhalten wollen und die man im Zuge einer Medienrevolution immer weniger ernst nehmen kann.

Da fällt der Schwenk zu den Umständen rund um Regividerm nicht schwer. Meines Wissens haben (zumindest erstmal) ausnahmslos alle etablierten Massenmedien dem Produkt Glauben geschenkt und keine Sekunde mit Recherche verschwendet, ob es denn nun wirklich in Frage kommt, dass wir es hier mit einem Wundermittel zu tun haben. Und wer hat’s erfunden hat den Schwindel aufgedeckt? Ein Blogger.

Bei diesem Stand der Dinge brüten die Medienhäuser gerade über Bezahlmodelle für ihre Werke und merken nicht, dass ihre Arbeit oft genug keine Bezahlung verdient hat. Da nimmt es sich auch nicht mehr so viel, ob wir von „privat“ oder „öffentlich-rechtlich“ sprechen, wie Herr Plasberg unter Beweis gestellt hat.
Wir sind schon längst an dem Punkt angekommen, an dem ein Blog, was kostenlos von einem Menschen wie du und ich verfasst wird, der dafür nicht einmal ein Honorar erhält, die Arbeit eines „Qualitätsjournalisten“ in den Schatten stellen kann. Wenn gerade die Printmedien ob der boomenden Publikationsform Internet vom Aussterben fabulieren, kann ich bei dem von ihnen ausgehenden zunehmend schäbigen Informationsgehalt nur sagen: Dann sterbt halt aus!

Ich habe weder die Lust noch die passende Kristallkugel, um mir hier die Zukunft der Medien an sich auszumalen. Aber die Blogs sind wohl nur die Basis dafür, dass alles demokratischer, persönlicher, selbstgemachter wird. Das Partizipationskonzept spielt eine große Rolle und stellt damit eine Parallele zur Politik her, in der ebenfalls ein Mangel an Mitwirkung beklagt wird. An die Politikverdrossenheit schließt langsam nahtlos die Medienverdrossenheit an, weil in beiden Konzepten jene Partizipation schwer gemacht oder nicht ernst genommen wird.

Vor diesem Hintergrund bietet sich mal ein Rückblick aufs Internet-Manifest an, das Ding, was die Meisten vermutlich schon wieder vergessen haben, denn Grundlage für das, was es anstrebte, wurde es nie. Was mich daran am meisten ärgerte, war, dass das Partizipationskonzept, die „liquid democracy“ oder schlicht die Gleichberechtigung der Bürger im Netz von genau denen durchbrochen wurde, die sie forderten. Die Autoren des Manifestes machten sich zu Galionsfiguren der Netizens und führten damit ihre eigenen Ideale der gemeinsamen Arbeit an Themen, die niemanden ausschließt, ad absurdum. Auch eine Form der Überheblichkeit.

Insgesamt steht also allerorten ein Paradigmenwechsel an.
Die Parallelität in puncto Arroganz, aber vor allem auch in puncto Veränderungsbedarf, könnte in allen genannten Fällen nicht deutlicher sein.

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