Curus Blog
Meine Plattform zur Partizipation in der digitalen Unrelevanz

Partizipation?

Na sowas. Datenlecks, wo man hinschaut. Heute morgen wurde auf Netzpolitik.org mit einem Leck im Sparkasse-Shop nach SchülerVZ und Libri das dritte vergleichsweise bedeutungsschwere Datenschutzversagen in wenigen Tagen offengelegt.

Mein erster Gedanke bei solchen Serien ist ja immer: Warum jetzt auf einmal so viel in Folge? Die Wahrscheinlichkeitsrechnung würde andere Vermutungen nahelegen.

Im Falle der Datenlecks ist diese Frage wohl dadurch zu beantworten, dass ein Leck zum nächsten führt, weil plötzlich jeder gerne eines melden würde oder vielleicht endlich eine Plattform gefunden hat, der er das Wissen rund um das Problem anvertrauen möchte – einem erfolgreichen Blogger. Wie scheinbar auch Markus Beckedahl von der Netzpolitik feststellen musste, ist mit den Datenschutzbehörden selten ein Blumentopf zu gewinnen, was kein Zustand ist.

Es ist ebenso fatal, wenn sich Unternehmen auf „Qualitätstests“ wie TÜV Süd verlassen und damit auf die Nase fallen. Verschwörungstheorien müssen hier gar nicht entwickelt werden, weil Dummheit als Begründung reicht. Wer wenig Ahnung hat, holt sich Hilfe – wenn diese Hilfe Tester sind, die der Site nach einer Prüfung ein Siegel verleihen, bei der Arbeit jedoch schlampen, haben beide Seiten verloren. Und natürlich auch die dritte Seite: der Kunde.

Wenn internetaffine Menschen, ob nun Blogger, Netizen oder sonstwie genannt, in der Lage sind, Datenschutzprobleme aufzudecken, ist das ein wirksamer Prozess, um den Unternehmen ihre Unpäßlichkeit aufzuzeigen und zu besseren Vorsorgen zu animieren. Man darf sich allerdings nichts vormachen: Bevor diese Fehler berichtet wurden, haben bereits mehrere Hacker oder Script-Kiddies diese Lücken genutzt. Von rechtzeitiger Prävention durch die Aufklärung seitens Netzpolitik.org oder anderer kann keine Rede sein.

Es bleibt also auch zu fragen, warum man sich über Datenlecks im Zweifelsfalle eher amüsiert, anstatt sie zur Behebung zu melden, schließlich scheinen sich einige Dinge angesammelt zu haben, die jetzt, wo man schon mal dabei ist, der Datenleckipedia gemeldet werden. Ein Grund sind sicher die bereits angesprochenen Datenschutzbehörden. Ein weiterer die Situation in Medien und Justiz, die, spätestens nach dem Schicksal des Tatverdächtigen im Falle SchülerVZ, nicht gerade dazu einlädt, sich mit gecrawlten Daten im Gepäck bei irgendwelchen Behörden zu outen. Selbst relativ renommierte Köpfe wie Beckedahl wurden in den Pressemeldungen der „ertappten“ Firmen als kriminell dargestellt, statt – was ihnen eigentlich gebührt – als Verhinderer größerer Skandale.

Solange hier die Fronten nicht aufweichen, sondern „die da oben“ durch Abmahnungen, überzogene Prozesse gegen Filesharer und Medienschelte weiterhin vom „einfachen Computernutzer“ als Gegner empfunden werden, ist eine effektive Zusammenarbeit für den Datenschutz nicht möglich.
„Die da oben“ haben noch nicht verstanden, dass sie den Rat der Computerkenner brauchen und jene Kenner schreien lieber „fail“, statt sich als aktive Mitarbeiter für den Datenschutz zu verstehen – zu solchen werden sie nämlich, wenn sie Schwächen aufdecken und auch die Firmen davon wissen lassen. Da sich die Unternehmen jedoch selbst als Drohkulisse inszenieren, wird viel Partizipationspotenzial verschenkt – auf Kosten eines wirksamen Datenschutzes.

3 Antworten to “Partizipation?”

  1. Interessanter Standpunkt, und du hast sicher Recht, dass Unternehmen da in der Kommunikation sehr dumme Fehler machen.
    Wobei natürlich die Verallgemeinerung „die da oben“ genauso wenig trennscharf ist wie die „Blogosphäre“ oder die „Internetcommunitybenutzer“.

    • Ja, das stimmt. Ich bin sowieso gegen diese Vereinheitlichung und Pauschalisierung irgendwelcher Personengruppen, habe mir in diesem Text mit Begriffen von „Computernutzer“ über „Netizen“ bis „internetaffine Menschen“ ja wirklich einen abgebrochen…
      Lustige Meme schaffen wir Netzchaoten, aber einen schönen Begriff, der alle einschließt, irgendwie nicht. Und Synonyme bräuchte man ja dann auch noch in längeren Texten.

  2. […] auf Curus Blog, sonst wäre er da auch schon länger, aber in den letzten Tagen hat er mich mit klugen und pointierten Beiträgen umfassend […]


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