Curus Blog
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Hallo Welt!

Alle jaulen sie wegen des Minarettbauverbots in der Schweiz auf. Besonders dieser Artikel der Welt Online ist gerade der heiße Scheiß bei rivva. Clemens Wergin hat dort einen Kommentar veröffentlicht, der wiederum dringend eines Kommentares bedarf.

Sicherlich ist die Haltung der Schweizer intolerant, aber nicht wegen der Volksabstimmung an sich, sondern weil diese Abstimmung nur eine Religion betrifft. In diesem Konflikt geht es nicht um den Islam, es ist nur eine peinliche Randerscheinung, dass die Medien der Bevölkerung längst Islamophobie eingeimpft haben. Vielmehr geht es um den Umgang mit Glaube an sich – und wenn es dort Richtung Verbot ausschlägt, so muss das für alle gelten.

Der Welt-Artikel schürt implizit jene Angst vor dem Islam, gegen die er doch eigentlich vorgehen will, so heißt es:

Die Volksabstimmung zeigt, wie tief die Ängste vor dem Islam in Europa gehen, Ängste, die man sicher auch in der Politik ernster nehmen sollte.

Eine schöne Feststellung, die leider etwas unglaubwürdig wirkt, wenn an anderer Stelle folgendes steht:

[Die Wahrnehmung des Minaretts als Machtsymbol] nimmt aber die tradierte, dem christlichen Kirchturm verwandte architektonische Geste wichtiger als das, was in der Mosche unter dem Minarett an Inhalten gelehrt wird. Und darauf kommt es am Ende an.

Ja, darauf kommt es an, da müssen wir aufpassen, dass bloß keine Terrorlehren in einem geheimen Terrorcamp in der Terror-Schweiz vermittelt werden. Wer weiß, wie lange sie die schweizer Mädchen noch in die Schule gehen lassen, das wird sicher schwierig, wenn erstmal die Taliban das Land übernommen haben. Danke, Welt Online, für das Beseitigen von Vorurteilen.

Im Zweifelsfall hätte der Autor des Textes sogar noch ein paar gute Ausreden parat, wann man – zwar nicht allgemein, aber punktuell – durchaus über ein Minarettverbot sprechen könnte, nämlich dann, …

… wenn es eine historische Stadtsilhouette tatsächlich empfindlich stören sollte.

Richtig. Wo kämen wir da hin, wenn wir integrieren. Wenn wir irgendetwas nicht Urdeutsches oder zumindest nicht Urwestliches im Heimatland zulassen und damit unsere ausländerfreie Zone verschandeln.

Aber damit nicht genug, noch viel schöner ist sowieso das versteckte Fazit des Kommentars, wenn es das denn überhaupt gibt.

Ein Verbot des Minarettbaus ist zwar noch kein Verbot von Moscheen. Es wirft die Schweiz aber hinter das Niveau von Aufklärung und Toleranz zurück, das Europa sich in der Vergangenheit so mühsam erarbeitet – und das etwa die multiethnische Schweiz auch zu solch einem Erfolgsmodell gemacht hat.

Nichts für Ungut, aber nicht das Verbot des Baus irgendwelcher sakraler Gebäude wirft irgendwen hinter das Niveau der Aufklärung zurück, sondern überhaupt erst der Wunsch, diese zu bauen. Egal, ob es ein Minarett oder ein Kirchturm ist.

7 Antworten to “Hallo Welt!”

  1. Der Wunsch sakrale Gebäude zu bauen ist unaufklärerisch/schlecht?
    Wenn du das so meinst, ist das eine ganz schön gewagte These.

    Man braucht halt diese Gebäude, wenn man seine Religion „normal“ d.h. entsprechend der jeweiligen religiösen Gebräuche ausüben will.
    Wenn du gegen die Gebäude bist, kannst du gleich gegen die Religionen an sich sein, die zugegebenermaßen sehr oft unvernünftig erscheinen.
    Hatten die bei der Französichen Revolution nicht auch Kirchen geschändet?
    Aber so atheistisch kenne ich dich gar nicht. Wahrscheinlich habe ich das falsch verstanden.

    Wenn da steht, dass es „darauf ankommt“, was in der Moschee gelehrt wird, würde ich nicht daraus schließen, dass der Autor Angst davor hat. Wahrscheinlich würde er genauso unterschreiben, dass es darauf ankommt, was in Kirchen gelehrt wird.

  2. Die These bzw. der ganze Beitrag ist natürlich stark überspitzt, weil ich bei dem Punkt herauskommen will, dass der Islam in keiner Weise anders bewertet werden soll, als das Christentum oder sonstwas.

    Man korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ein zentraler Punkt der Aufklärung ist aus meiner Sicht das Überwinden oder zumindest der Versuch der Überwindung von kirchlichen Dogmen. Genau dieses Ziel der Aufklärung setzt der Welt Online-Kommentar aber in eine paradoxe Beziehung zum Toleranzgedanken. Das Urteil der Schweizer verbietet den Bau von Gebäuden, welche durch die Aufklärung obsolet werden sollten. Von einem Sprung hin zum Niveau vor der Aufklärung kann da also nicht die Rede sein, es ist im Gegenteil sehr aufklärerisch. Das war es, was ich meinte.

    Bezüglich Toleranz sieht das natürlich ganz anders aus, denn die Schweizer haben sicher nicht in diesem aufklärerischen Gedanken abgestimmt und werden wohl kaum morgen auch den Bau von Kirchtürmen verbieten. Daher bleibt es natürlich zweifellos, man entschuldige die Wortwahl, eine Scheißentscheidung vom rechten Rand. Denn entweder beides oder keins. Das war jetzt aber nur bedingt Thema meines Beitrags, ich hab mich an dieser falschen Suggestion von Aufklärung festgebissen und bin mehr in Richtung Meta-Ebene der allgemeinen Beurteilung von Religion nach der Aufklärung abgedriftet.

    Und was deinen letzten Aspekt zum Thema „es kommt darauf an, was gelehrt wird“ angeht, könntest du Recht haben, ich halte es allerdings für unwahrscheinlich, dass er dasselbe Maß anlegen würde, wenn es nicht um den Islam ginge.

  3. Ist doch toll, daß wir in Deutschland so frei darüber diskutieren können, wie demokratisch oder nicht demokratisch die Schweizer abstimmen (jede Meinung, die der linken Presse nicht passt, wird ja gern als „undemokratisch“ abgetan).

    Und nein, ich bin nicht „rechts“. mich nervt einfach nur, wie Fakten verdreht werden und nimmermüde Gutmenschen Ideologien verteidigen, die wiederum unsere Werte (oder zumindest Lebensweise) in keinster Weise respektieren.

    Beispiele? http://de.wikipedia.org/wiki/Saudi-Arabien#Religionsfreiheit (besonders schön der Absatz „…Missionare aus anderen und, aus der Sicht Saudi-Arabiens, „unbedeutenderen“ Ländern (z.B. Philippinen, Kenia) inhaftiert und manchmal auch hingerichtet werden.) Wer regt sich denn in Saudi Arabien auf, daß dort keine Kirchen gebaut werden dürfen? (Ok, man riskiert dabei im wahrsten Sinne Kopf & Kragen…)

    Noch Fragen? Immer noch kritisch? Dann dies: Wir erinnern uns an die „umstrittene“ Rede von Benedikt XVI (http://de.wikinews.org/wiki/Hintergrund:_Was_Papst_Benedikt_XVI._wirklich_sagte) Einmal lesen bitte…eigentlich harmloses Zitat aus dem 14. Jahrhundert, oder? Interessant sind die Reaktionen: http://www.tagesschau.de/ausland/meldung96594.html „Kreuzigt den Papst“

    Ich bin mir sicher, daß ein Hindutempel oder ein Synagogenbau keine Volksabstimmung auf den Plan gerufen hätte. Aus gutem Grund: Der Islam ist eine radikale Religion! Nein, ich sage nicht, daß alle Moslems radikal sind, aber diese Religion vermittelt definitiv die falschen Werte!

    • Naja. Das ist die alte Geschichte.

      Nur wenn manche was falsch machen heißt das nicht, dass jeder es falschmachen darf.
      Wahrscheinlich werden sich auch viele darüber aufregen, dass in z.B. Saudi-Arabien keine Kirchen gebaut werden, aber die Sache in der Schweiz hat halt einen aktuellen Anlass und vielleicht wird da Kritik auch eher registriert als in Arabien.

      „vermittelt die falschen Werte“… Das ist so ein Problem mit der Religionsfreiheit. Da muss ich dir zustimmen. Theoretisch ist Religionsfreiheit ein _Menschenrecht_, was allerdings eine Religion ist, wird ganz willkürlich von jedem anders definiert.
      Man muss sicherlich nicht jede wie auch immer geartete Lebensweise oder Weltanschauung tolerieren, nur, weil sie sich als Religion bezeichnet.

      Ich würde allerdings sagen, dass sich viele Muslime durchaus zivilisiert benehmen können bzw. das da im Koran vieles Auslegungssache ist.
      Wenn der Islam per se schlecht ist (was ich eben nicht glaube), wäre es besser den Islam ganz zu verbieten, anstatt nur die Minarette.

      Dass Frauen z.B. nicht geschlagen werden dürfen ist ja gut so. Das ist in Deutschland schon lange so und darüber regt sich trotz Religionsfreiheit auch niemand auf.

      Dass allerdings die Minarette verboten werden kann meiner Meinung nur an einer Art „Fremdenangst“ liegen.

  4. […] ich nicht mehr so genau. Eines muss gesagt sein: So neutral, wie man sich immer bezeichent, ist man dort wohl doch […]

  5. (Entschuldigt die späte Antwort, ich war verhindert.)

    Carsten, nichts für Ungut, aber jene, die schon vorweg schicken müssen, dass sie nicht rechts seien, sind meistens genau eines: rechts. Zumindest in dem Punkt, den sie argumentieren wollen, sonst wäre der eigene Versuch der Abgrenzung von diesem „rechts“ gar nicht erst nötig.

    Die Beispiele, die du herausgreifst, sind natürlich nicht kleinzureden. Daran jedoch festzumachen, dass eine Religion grundsätzlich die falschen Werte vermittelt (und das, so verstehe ich dich zumindest, auch als einzige unter allen anderen), geht in meinen Augen in genau die Richtung der „Fremdenangst“, die Felix anspricht. Hagen Rether meinte dazu mal, es wäre ja auch nicht jeder Katholik pädophiler Holocaustleugner. Will sagen, Beispiele rausgreifen und verallgemeinern kann jeder.

    Um mal auf eins näher einzugehen: Mir gefällt vor allem die Argumentation nicht, dass man „dort“ ja auch keine Kirchen bauen darf. Mal ganz abgesehen davon, dass Glaube meines Wissens nicht per se mit den Landesgrenzen zusammenhängt und in Zeiten der Migration daher überall Berücksichtigung finden sollte, ist es schon eine merkwürdige Verteidigung, wenn man eigene Fehler mit denen der anderen vergleicht und zum Schluss kommt: geht doch noch ganz gut bei uns! Gerade wenn in anderen Kulturen etwas „falsch“ läuft (und wer definiert „falsch“?), haben wir doch keine andere Wahl, als es nach unserem Gefühl für das Richtige besser zu machen. Aus Trotz gleichzuziehen ist da doch das Dämlichste, was man tun kann. In das Konzept „vor Ort anrücken und die Demokratie zurechtbomben“ lege ich ebenfalls wenig Hoffnung.

    Achja, die Volksabstimmung entstand übrigens nicht, wie du sagst, zurecht, weil der Islam eine „radikale Religion“ sei, sondern weil rechte Parteien gerade Lust darauf hatten, sich zu profilieren. Sie stießen dabei auf erstaunlich fruchtbaren Boden, dessen Teil auch du zu sein scheinst.

  6. […] Ich muss zu meinem Artikel „Hallo Welt!“ nochmal nachlegen. Irgendwie erscheint mir manches rückblickend zu uneindeutig formuliert und da […]


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