Curus Blog
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Flashback: Minarettverbot

Ich muss zu meinem Artikel „Hallo Welt!“ nochmal nachlegen. Irgendwie erscheint mir manches rückblickend zu uneindeutig formuliert und da ich nun – was ich erst heute gemerkt habe, weil kein Trackback von dort ankam – in der Netzeitung zitiert und zugleich falsch verstanden werde, möchte ich das nochmal korrigieren. Egal, wie verspätet das jetzt kommt.

Zunächst mal der Ausschnitt in der Netzeitung über meine Meinung:

Auch dieser Beitrag auf curublog kommt nicht aus einer rechten Ecke: «Nichts für Ungut, aber nicht das Verbot des Baus irgendwelcher sakraler Gebäude wirft irgendwen hinter das Niveau der Aufklärung zurück, sondern überhaupt erst der Wunsch, diese zu bauen. Egal, ob es ein Minarett oder ein Kirchturm ist.»

Der Autor erklärt sich in einem Kommentar weiter: «Ein zentraler Punkt der Aufklärung ist aus meiner Sicht das Überwinden oder zumindest der Versuch der Überwindung von kirchlichen Dogmen.» Da ist zwar etwas dran, stimmt dann aber eben doch nicht. Ein ebenso zentraler Punkt der Aufklärung war die Freiheit des Andersdenkenden. Und wenn jemandem danach ist, Türmchen zu bauen, dann sagt die Aufklärung: «Mach dein Türmchen, aber sei bitte nicht so laut, vor allem nicht morgens, ich hatte eine lange Nacht.»

Zum Glück wird ja korrekt erkannt, dass ich nicht aus der rechten Ecke argumentiere, wirklich nicht. Das Missverständnis entsteht an dem Wort „Aufklärung“. Ich bin gegen das Minarettbauverbot, aber säkularisiert bzw. aufklärerisch gedacht wäre dieses Verbot ja durchaus sinnvoll – allerdings NUR WENN es ALLE derartigen Gebäude jedweder Religion verbieten würde. Daher ist es meine Meinung, dass das Verbot uns zwar vielleicht in voraufklärerische Zeiten bezüglich des Toleranzgedanken, nicht jedoch bezüglich der Säkularisierung bringt. Es ist und bleibt – ohne, wie ich es tat, auf der Bedeutung der Aufklärung herumzureiten – natürlich an sich ein rassistisches Urteil aus Angst vor dem Fremden.

Diese gemischten Gefühle, die man als Skeptiker von Religiösem hat, werden beim Feuerbringer sehr gut beschrieben, der scheinbar ein ähnliches Problem mit dem Thema hat, wie ich:

Was nun uns, also die säkulare Szene angeht: Wir haben echt keine Ahnung, was unsere Meinung zu der Sache ist. Wir sind für Religionsfreiheit und für Menschenrechte, aber der Islam tendenziell eher nicht. Das ist das Problem hier. Aber ist ein Minarettverbot legitim? Immerhin ist es kein Moscheeverbot, das darf man nicht vergessen. Dann wieder passen uns die Kirchtürme eigentlich auch nicht, jedenfalls dann nicht, wenn Minarette verboten werden.

Ich halte mich zwar nicht für einen derartigen „Hardliner“ (man entschuldige das Wort) in puncto „weg mit allem Religiösen!“ wie der dortige Blogautor, aber auch mein persönlicher Schluss aus der Sache ist nun eben folgender:

Nein, das Minarettverbot ist im Sinne der Religionsfreiheit nicht legitim, solange andere Sakralgebäude weiterhin errichtet werden dürfen. Einzig und allein das Bauverbot ALLER Errichtungen dieser Art wäre unter säkularisierten Gesichtspunkten legitim, wenngleich das auch wieder Probleme mit der Religionsfreiheit offenlegt – und mit der realistischen Umsetzbarkeit sowieso.

Da beißt sich die Sache dann doch in den eigenen Schwanz und es ist nicht so einfach pro Religionsfreiheit und contra Religionssymbolik in einem zu argumentieren. Daher schließe ich, der ursprünglich vor allem über den aufklärerischen Aspekt sinnieren wollte und scheinbar doch mehr losgetreten hat, mit dem obigen Satz des Feuerbringers: „Wir haben echt keine Ahnung, was unsere Meinung zu der Sache ist.“

3 Antworten to “Flashback: Minarettverbot”

  1. Ich habe eigentlich nie ganz verstanden, warum Religion ihre eigene Freiheit braucht.

  2. Ist letztlich vielleicht irgendeine Form von Meinungsfreiheit. Und außerdem natürlich gesellschaftlich legitimiert (zumindest die jeweils eigene Religion). Wahrscheinlich braucht es daher Schutz für die jeweils „fremde“ Religion. Und Unterdrückung wegen anderer Ansichten, ob religiös oder nicht, will ja auch niemand.

  3. Ich hätte gedacht, dass für sowas die allgemeine Handlungs- und Meinungsfreiheit ausreicht. Dann kommt auch keiner auf so komische Ideen wie die Verächtlichmachung religiöser Überzeugungen unter Strafe zu stellen.


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